Internet Services


Das Internet bietet eine Vielzahl von Diensten an. Hier eine Aufstellung der Wichtigsten:


Kommunikations Dienste

Kommunikationsdienste dienen dem Datenaustausch zwischen Personen. Dieser geschieht entweder 'online', d.h. alle Beteiligten sind gleichzeitig anwesend oder aber 'offline', wenn Nachrichten zu unterschiedlichen Zeiten erzeugt und gelesen/konsumiert werden.


Electronic Mail

oder auch email genannt ist einer der ältesten Dienste, die im Internet transportiert werden. Festgelegt ist das Aussehen einer solchen Email in RFC 822 (Standard for the format of ARPA Internet text messages. Crocker, D.) welche im übrigen auch für viele weitere text-basierte Dienste wie Usenet News verbindlich ist.

Der Transport der emails erfolgt per SMTP (Simple Mail Transfer Protocol ; RFC 821, Postel, J.B. 1982 August) und erfolgt nach dem Store-and-Forward Prinzip.

Auf dem Prinzip der elektronischen Mail setzen einige Erweiterungen auf.

MIME (Multipurpose Internet Mail Extension ; RFC 1521/1522) definiert ein Verfahren, mit dem man praktisch beliebige Daten (Bilder, Audio, Video etc.) per SMTP transportieren und direkt beim Empfänger wiedergegeben kann.

Mailinglisten dienen dem Versand von emails an eine Vielzahl von Empfängern. Spezielle Software wie Majordomo helfen dem Administrator von Mailinglisten und automatisieren die Benutzerverwaltung weitestgehend. Eine Mail an "listname-request@hostname mit der Zeile

help

im Textteil der Nachricht liefert eine vollständige Funktionsbeschreibung.

FTP-Mail ist eine Art Gateway, welches über emails gesteuert wird und Daten von öffentlichen FTP-Servern zur Verfügung stellt. Hauptsächlich interessant für Personen, die keinen Online-Zugang zum Internet haben.

Verbreitung: sehr hoch
Prognose: auch für die Zukunft einer der verbreitetsten Basisdienste


USENET News

Das System der Mailinglisten hat eine Reihe von Nachteilen. Zum Einen muß der Interessent von der Existenz einer Mailingliste wissen, oder aber zumindest einen zentralen Listserver kennen, zum Anderen ist die Art des Transports nicht sehr effizient. Deshalb hat sich bald ein zweiter Dienst entwickelt, der speziell für Nachrichten mit einem großen Interessentenkreis gedacht war.

USENET News basiert (wie viele der noch folgenden Dienste) auf dem Client/Server Prinzip. Ein Netz von Servern kümmert sich um den Datentransport und Verwaltungsaufgaben während die User Clients vom Benutzer gestartet werden und ihm die gewünschte Information vom Server holen und aufbereiten.

Typische Clients auf verschiedenen Plattformen sind:

USENET News gliedert sich in sog. Newsgroups von denen i.d.R. nur ein begrenzter Satz auf einem Server vorhanden ist. In Ulm sind dies z.Z. 4680 Gruppen. Das tägliche Datenaufkommen liegt bei ca. 400 MB. Die Gruppen sind hierarchisch nach Themengebieten geordnet. Ausserdem gibt es nochmals komplette Hirarchien für einzelne Länder.

Der lokale Server ist 'news.uni-ulm.de'.

Verbreitung: sehr hoch
Prognose: auch für die Zukunft einer der verbreitetsten Basisdienste


Internet Relay Chat

oder kurz IRC ist im online Bereich das, was USENET News im offline Bereich ist. Es ist ein weltweites Online-Konferenz System, welches ebenfalls auf der Client/Server Architektur aufbaut. Clients sind ebenfalls für alle gängigen Plattformen vorhanden. Analog zu den Newsgruppen gliedert sich das IRC in sog. Channels, also Gespräsgruppen.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind weltweit 7000 Benutzer in 2000 Channels auf 108 Servern aktiv.

Verbreitung: hoch
Prognose: interessantes Medium, welches als eines der ersten online Gruppenarbeit im Internet erlaubte. Leidet zur Zeit an konzeptionell bedingten Überlasterscheinungen und dürfte in nicht allzuferner Zukunft durch ein neues System ersetzt werden.


Informationssuche (Themen, Institutionen, Personen)

Durch die große Zahl von Internet Hosts und die noch größere Anzahl von Benutzern ist es oft sehr schwer, eine bestimmte Person oder Institution zu finden. Hier helfen eine Reihe von weiteren Dienste, die jedoch immer mehr auch über WWW erreicht werden können bzw. durch dieses ersetzt werden.


WAIS

Der Wide Area Information Server, kurz WAIS genannt, wurde ursprüglich von Thinking Machines als Prototyp eines verteilten Informationssystems auf Basis von TCP/IP Netzwerken wie dem Internet entwickelt. Den Kern bildet ein Indexer welcher Volltext-Indizes von (Text-) Files erstellt. Mit dem dazu gehörigen Server können diese Daten dann weltweit mittels einer bestimmten Abfragesyntax durchsucht werden.

Clients, um Abfragen durchzuführen sind für eine Vielzahl von Plattformen verfügbar, z.B. xwais für Unix Systeme mit X11.

Verbreitung: mittel
Prognose: degeneriert mehr und mehr zu einem Indizierer von WWW-Server. Umständlich im Umgang. Erweiterungen wie free-wais-sf erlauben verbesserte Suche (Semantik in Dokumenten). Trotzdem Tendenz zu leichter bedienbaren Produkten in Verbindung mit WWW (z.B. swish)


WHOIS

WHOIS ist eine einfache, TCP-basierte Datenbank. Eingesetzt wird sie hauptsälich zur Koordination von Netzwerkinstitutionen. Der notwendige Client wird meist als Unix Kommando whois beim Betriebssystem mitgeliefert.

Ein Beispiel einer Abfrage:

nathan:~$ whois Merdian@whois.nic.de
[andreas.nic.de]
person:      Peter Merdian
address:     Universitaet Stuttgart
address:     Rechenzentrum / BelWue-Koordination
address:     Allmandring 30
address:     D-70550 Stuttgart
address:     Germany
phone:       +49 711 1319 129
fax-no:      +49 711 682357
e-mail:      merdian@RUS.Uni-Stuttgart.D400.DE
e-mail:      merdian@noc.BelWue.DE
nic-hdl:     PM178
mnt-by:      DENIC-P
mnt-by:      DFN-NTFY
changed:     merdian@belwue.dbp.de 910606
changed:     rv@Informatik.Uni-Dortmund.DE 930818
changed:     knocke@nic.de 941127
changed:     noc@noc.dfn.de 941227
source:      RIPE

Verbreitung: selten
Prognose: wird mehr und mehr durch Datenbanken mit WWW-Interface abgelöst.


X.500

X.500 ist ein Protokoll aus der OSI Familie. Damit wird ein sogenannter globaler Directory Service realisiert. Vom Protokoll her ist X.500 sehr universell gehalten, wird aber in der Praxis lediglich zur Verwaltung von Personendaten und Emailadressen genutzt. Trotzdem waere damit prinzipiell auch die Verwaltung von Systemressourcen o.Ä. möglich. Neben dem direkten Zugang über das X.500 Protokoll werden auch eine Vielzahl von Gateways (meist mit WWW Interface) angeboten. Z.B. auf http://pan.rz.uni-konstanz.de:8888/

Verbreitung: selten
Prognose: speziell im Bereich Öffentlicher Institutionen wird X.500 vermehrt eingesetzt.


Netfind

Im Gegensatz zu den bisher besprochenen Diensten arbeitet Netfind nicht auf einer statischen Datenbank, sondern versucht zur Laufzeit über verschiedene Dienste wie DNS, SMTP und finger die gesuchten Informationen zu ermitteln. Wie eine solche Abfrage aussehen kann, zeigt das folgende Beispiel:

Enter person and keys (blank to exit) --> kargl rz ulm
Please select at most 3 of the following domains to search:
    0. rz.fh-ulm.de (rechenzentrum, fachhochschule ulm, germany)
    1. rz.uni-ulm.de (rechenzentrum, university of ulm, germany)
    2. netway.rz.uni-ulm.de (rechenzentrum, university of ulm, germany)
Enter selection (e.g., 2 0 1) --> 1
( 1) check_name: checking domain rz.uni-ulm.de.  Level = 0
( 1) get_domain_addr: Got nameserver netway.rz.uni-ulm.de
( 2) check_name: checking nameserver netway.rz.uni-ulm.de.  Level = 2
MAIL IS FORWARDED TO kargl@nathan.rz.uni-ulm.de
NOTE:   this is a domain mail forwarding arrangement - so mail intended
        for "kargl" should be addressed to "kargl@rz.uni-ulm.de"
        rather than "kargl@nathan.rz.uni-ulm.de".

( 2) check_name: checking host nathan.rz.uni-ulm.de.  Level = 2
SYSTEM: nathan.rz.uni-ulm.de
        Login: kargl                            Name: Frank Kargl
        Directory: /home/comram                 Shell: /bin/bash
        Office: O26/5408, 502-2432              Home Phone: 553972
        On since Tue Jun 27 13:54 (MET) on ttypa from :0.0
        On since Tue Jun 27 10:27 (MET) on ttypd from nathan.rz.uni-ul
        On since Tue Jun 27 16:58 (MET) on ttyp2, idle 0:01, from :0.0
        Mail last read Tue Jun 27 17:39 1995 (MET)
        No Plan.

SUMMARY:
- The most promising email address for "kargl"
  based on the above search is
  kargl@rz.uni-ulm.de.

Man erreicht Netfind z.B. auf monolith.cc.ic.ac.uk, login: netfind

Verbreitung: ausreichend
Prognose: durch die bisher eher schlecht ausgebauten Suchmöglichkeiten in Internet ein interessanter Dienst. Wird wohl durch größere Verbreitung von X.500 obsolet.


Hypermedia-Informations Dienste

Hier wird versucht, verschiedenste, auf einem Rechner darstellbare Medien in ein einzelnes Informationssystem zu integrieren. Ausserdem sollen Querbezüge zwischen den Dokumenten, sog. links dem Benutzer helfen, sich in der oft unüberschaubaren Vielzahl von Informationen zurechtzufinden und ähnliche Informationen zu verbinden.


Gopher

Gopher war das erste Multimedia System im Internet mit nennenswerter Verbreitung. Die Struktur von Gopher basiert auf einem hierarchischen Informationsraum, dem sog. Gopherspace, der an ein weltweites Filesystem erinnert, aufgespannt von einer Vielzahl von Gopher-Servern. Auf der anderen Seite stehen Clients, die für praktisch jede existierende Plattform verfügbar sind. Über Gateways ist sogar der Zugriff per email möglich, z.B. gopher@earn.net. Ausgehend von einem lokalen Server (z.B. gopher.rz.uni-ulm.de) bewegt sich der Benutzer nun im Gopherspace. Die einzelnen Einträge auf jeder Ebene können sein:

Es ist nicht möglich, mehrere Arten von Daten in einem Dokument zu verwenden. Welche Programme zur Anzeige von verschiedenen Binärdaten zum Einsatz kommen, wird mit MIME-types geregelt.

Verbreitung: hoch
Prognose: da WWW praktisch in jeder Beziehung weiterentwickelt ist, ist davon auszugehen, daß gopher weitestgehend verdrängt wird.


WWW

gilt mittlerweile als der Paradedienst des Internet. Obwohl erst seit 1992 nennenswert verbreitet, sind mittlerweile weltweit mehr als 10.000 Server in Betrieb und es existieren Clients für praktisch jede Plattform. Das Verkehrsvolumen, welches im Internet durch WWW erzeugt wird, übersteigt mittlerweile auch den FTP-Traffic.

WWW besteht im wesentlichen aus zwei Teilen. Dem HyperText Transfer Protocol Protocol, welches den Datentransport vom und zum Server regelt, und einer Seitenbeschreibungssprache, HyperText Markup Language genannt. Gegenärtiger Standard ist HTML 3.0, wobei allerdings die meisten Clients lediglich HTML 2.0 bzw. eine Zwischenmenge abdecken.

WWW ist als Hypertextsystem vom grundsätzlichen Konzept her gopher sehr ähnlich. Es durchbricht aber dessen hierarchische Struktur und erlaubt eine freie Anordnung der Dokumente. Leider bietet es in der Standardausfährung auch keine diesbezügliche Unterstützung.

Auch die freie Integration von Graphiken und Text in einem Dokument, wie generell die wesentlich größzügigeren Gestaltungsmöglichkeiten von HTML bilden einen weiteren Vorteil gegenüber gopher. Neben der bisher möglichen Verknüpfung von Text, Tabellen und Bildern soll in Zukunft auch die direkte Integration von Filmen und Tönen in ein Dokument ermöglicht werden. Dies funktioniert bisher auch schon, aber nur über externe Viewer mittels MIME.

Clients werden in der Regel als Binaries verbreitet und sind meist für eine Vielzahl von Plattformen gleichzeitig verfügbar. So zum Beispiel Mosaic vom NCSA oder Netscape der Netscape Communications Corporation.

Auf der Serverseite sind die Server des CERN bzw. NCSA sehr weit verbreitet. Neben diesen Public Domain Produkten werden immer mehr auch kommerzielle Produkte angeboten, die neben dem Support aber nur unwesentliche Vorteile gegenüber den PD Servern bieten.

Daneben etablieren sich auch einige WWW Authoring Tools am Markt. Dies sind aber meist kommerzielle Produkte, z.B. WebForce von SGI, Cyberleaf von Interleaf oder diverse Filter für Framemaker oder Word for Windows. Hier existieren auch PD Filter, die z.B. LaTeX oder RTF Dokumente in HTML wandeln.

Ein weiteres Manko stellt die fehlende integrierte Suchmöglichkeit dar. Während zur weltweiten Informationssuche bereits sog. Searchengines wie Lycos oder Webcrawler zur Verfügung stehen, sind in die gägigen Server keine Mechanismen zur automatischen Indexierung des eigenen Datenbestandes vorhanden. Mit Zusatzsoftware wie free-wais-sf oder dem IMHO vorzuziehenden swish sind diese Probleme allerdings löbar. Aber auch dann ist kein automatischer Übergang dieser Daten in die globale Searchengines gegeben.

Verbreitung: sehr hoch
Prognose: ohne Zweifel die Killerapplikation des Internet. Es treten bereits erste Engpässe mit Netzbandbreite auf. Hier eine Statistik zur Netzauslastung.


File- und Datentransfer


FTP

steht für File Transfer Protocol und wird im Internet überwiegend für den Datentransport verwendet. Hierbei wird separat je eine Kontroll- und ein Datenverbindung über TCP geöffnet.

Clients sind in der Regel bei jeder TCP/IP Implementation mit beinhaltet.

Oft wird FTP auch dazu benutzt, PD Software im Internet bereitzustellen. Hierzu dienen FTP-Server, die einen speziellen Gastzugang mit Namen ftp oder anonymous bereitstellen. Als Passwort übergibt man konventionsgemäß seine eigene Email-Adresse.

Verbreitung: sehr hoch
Prognose: als 'Standardanwendung' auch weiterhin grundlegender Bestandteil des Internet. Wurde im April 1995 erstmals von WWW im Verkehrsaufkommen übertroffen.


Archie

versucht ein Problem zu beheben, welches inhärent mit dem anonymous-FTP Dienst verknüpft ist. Bevor man nämlich eine Datei übertragen kann, ist zunächst einmal ein Server ausfindig zu machen, der diese zur Verfügung stellt. Früher ging dies nur durch Erfahrung und Probieren, seit einigen Jahren steht nun mit Archie ein Dienst zur Verfügung, welcher eine Datenbank von vielen FTP Servern fuuml;hrt. Anfragen können entweder per email (z.B. an diese Adresse) gestellt werden. Mit einem "help" im Body der Nachricht erhält man einen einführenden Hilfetext. Daneben gibt es die Möglichkeit eines telnet logins (geht so, login: archie) oder mittels spezieller Clients. Diese heissen meist archie oder xarchie. Die Datenbanken der verschiedenen Archie Server (ca. 20 weltweit) sind regional unterschiedlich. In der Regel werden die Daten alle 1 - 2 Wochen aktualisiert. Es gibt nicht mehr Server, da die Server-Software lizenzpflichtig und nicht gerade billig ist.

Verbreitung: wenige Server, starke Nutzung
Prognose: wird als 'Begleitdienst' von FTP noch lange Bestand haben.


Verschiedenes

Daneben tummeln sich noch eine Vielzahl weiterer Dienste im Internet, die meist über Standardclients wie telnet oder finger angesprochen werden (manchmal auf eigenen ports). Dies sind allerdings meist Einzeldienste, die nur auf wenigen Rechnern laufen.


Frank Kargl, 3.7.95